Mindestlohn – Zeichnung von Susanne Haun
Vor knapp 100 Jahren ging meine Großmutter in Stellung. Sie war das 12. und nicht das letzte Kind einer Bauernfamilie in Pommern. Sie wollte raus aus ihrer Bauernfamilie, wo die Mädchen nichts zählten und harte Arbeit verrichten mußten. Sie ist nach Rügen in einem Hotel in Stellung gegangen – als Zimmermädchen. In ihren letzten Lebensjahren hat sie mir oft von Rügen erzählt. Sie sagte es war mit die schönste Zeit ihres Lebens. Sie hatte dort ein Zimmer und Verpflegung und einen Lohn. Es war sicher trotzdem kein leichtes Leben aber für sie um vieles leichter als in ihrer Familie. Ich denke nicht, dass sie viel Geld verdient hat. Ich denke, sie wurde sicher ausgebeutet und die Zeit hat ihren Blick nur auf das Gute gelenkt. Ich denke, es ging ihr um ihre Freiheit.
Heute habe ich einen Artikel im Spiegel gelesen, der mich sehr erschreckte. Ich bin schon immer ein Verfechter von Mindestlöhnen. Haben wir nicht den Kapitalismus in Urform, wenn die Mindestlöhne nicht geregelt werden?
Es geht um die Reinigungskräfte in Luxushotels. Mehr ist hier zu lesen: , Online-Spiegel vom 17.6.2009.
Man sollte meinen, dass wir uns in den letzten 100 Jahren weiterentwickelt haben. Das solche Ausbeutungen wie beschrieben ein Relikt der Vergangenheit sind. Aber offensichtlich ist solche Ausbeutung auch heute noch üblich.
Ganz im Sinne des Themas zeige ich hier eine ältere Zeichnung. „Nicht sehen, was offensichtlich ist.“
Schaut die Mehrheit der Menschen einfach weg, wenn es um Themen wie Mindestlohn geht?

Mindestlohn - Zeichnung von Susanne Haun
Ein politischer Tag
Heute ist ein politischer Tag.
Das Grundgesetz ist 60 Jahre alt geworden und der Bundespräsident wurde für die nächsten 5 Jahre gewählt. Ich finde es schade, dass Gesine Schwan es wieder nicht geschafft hat. Nun schon zum zweiten Mal!
Ich habe begonnen, den Baader Meinhof Film auf DVD zu schauen. Ich dachte, dass paßt zu diesem politischen Tag. Ich habe mich schon oft gefragt, wie aus Ulrike Meinhoff, Ulrike Meinhoff wurde. Zu diesem Thema habe ich schon vor mehreren Jahren das Buch „Lieber wütend als traurig“ von Alois Prinz gelesen. Es hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich habe mir den Bildband von Gerhard Richter mit den Bildern der Toten des Baader Meinhoff Komplexes gekauft. Es ist in den U.S.A. verlegt. In Deutschland ist es noch ein Tabuthema zum Herausgabedatum gewesen.
Der Film ist ab 12 Jahre freigegeben. Ich bezweifle allerdings, dass mein 15jähriger Sohn versteht, um was es dort eigentlich geht.
Auch ich begreife es zum Teil nicht. Ich begreife ihren Idealismus und ihren Wunsch, die Welt zu ändern, zu verbessern. Aber ich begreife nicht, warum sie dazu übergegangen ist, Menschen zu töten. Sicher, in ihren Schriften liest man, wie sie sich von dem Individuum Mensch entfernte und nur noch die jeweiligen Idiologien sah und die Personen versachlichte.
Vielleicht war es auch ihre Intelligenz und Begabung zum Schreiben vermischt mit der Gewaltbereitschaft von Andreas Baader. Wir werden es wohl nie erfahren, was in ihren Köpfen vorgegangen ist.
Ich versuche, sie zu begreifen, indem ich sie zeichne. Ich habe sie auch schon 2005 gemalt.
Aber sie gibt ihr Geheimnis nicht preis.
Ich frage meine Eltern, wie sie diese Zeit empfunden haben, was sie dachten. Aber sie hatten in den 60ziger und 70ziger noch zu sehr zu kämpfen, ihre Familie – also meinen Bruder und mich – über die Runden zu bringen. Ich habe überlegt, ob Revolution wie in diesem Fall nur etwas für die Kinder der gehobenen Mittelschicht ist. Die Mittelschicht hat mehr Zeit und Geld zu revolutionieren. Muss es der Arbeiterschicht erst einmal so schlecht gehen, dass sie befürchten muß zu verhungern, ehe sie auf die Straße geht? Warum ist Deutschland heute so unpolitisch? Liegt das am von Kohl eingeführten Privatfernsehen? Brot und Spiele?
Das sind für mich Fragen über Fragen.
Ich werde wohl noch zwei Bücher zum Thema lesen. Die Biographie von Ulrike Meinhoff geschrieben von Jutta Ditfurth und das Buch der Tochter von Ulrike Meinhoff, Bettina Röhl.
- Ulrike – Leinwand von Susanne Haun – 2005
- Ulrike – Zeichnung von Susanne Haun
Rebellion in der Kunst
Meine Tage werden begleitet vom Kunst Kalender von Harenberg. Morgens lese ich die dort abgedruckten Weisheiten über Kunst und denke „Aha“ und „Nun ja“.
Auf dem Kalenderblatt von gestern war folgender Satz von Helmut Sturm zu lesen:
„Wir waren [kulturell] so unterernährt, dass überhaupt abstrakt oder kubistisch Malen bereits als Zeichen von Rebellion galt.“
Was gilt heute noch als Zeichen von Rebellion in der Kunst?
Wir hatten schon alles – nackte Menschen werden mit Farbe auf Bildern gedrückt, weiße Leinwände, Videos über Stunden mit der vollen Aufnahme eines Gesichtes, Meese…
Ich habe gerade bei google nach „Kunst + Rebellion“ geschaut und finde „Comic“ und „gegen akademische Kunst“.
Ist es heute nicht geradezu Rebellion, wenn der Künstler akademisch malt?
Kann ein Mensch etwas bewirken?
Im Artcafe – einem Kunstforum – wird gerade über Kunst und Politik gesprochen …..
Meine Gedanken dazu möchte ich auch hier in meinem Blog festhalten:
Ich denke, dass jeder Mensch etwas bewirken kann. Gutes und leider natürlich auch Schlechtes. Mag es auch noch so kleine sein, was er bewirkt. Wenn viele kleines bewirken wird daraus etwas großes.
Ich denke, dass ich meine politische Meinung nicht auf meinen Bildern zeigen muss.
Aber, wenn mich meine Bilder berühmt machen, dann wird der Kreis derjenigen, die mir zuhören immer größer und ich kann meine Meinung in die Welt schreien.
Hat Immendorf nicht mit dem Kanzler Kaffee getrunken?
Ich denke, es hat nichts mit der Kunst zutun, ob ein erfolgreicher Künstler Partys feiert oder sich politisch engagiert. Sondern mit jedem selber.




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