Betrachtungen zur braunen Tusche von Susanne Haun
Die Psychologin Eva Heller („Wie Farben wirken“, ISBN 978-3499619601) befragte 1900 Menschen zwischen 14 und 83 Jahren. Diese sprachen sich zu 20% dafür aus, dass Braun ihre unbeliebteste Farbe ist.
Damit liegt braun in der Rankliste der unbeliebtesten Farben ganz vorne.
Ich benutze für meine Zeichnungen zum größten Teil braune Tusche. Das Schöne einer Zeichnung soll nicht durch mein Material kommen sondern durch mich selber. Ich verspüre große Freude und Erregung, wenn ich meine Feder in das braune Tuschenäpfchen stecke. Ich mag das rotbraun, denn es geht eine Erdnähe und ruhige Stimmung davon aus.
Zur Weihnachtsfeier brachte mir Karin ein kleines Blumensträußchen mit, heute schon etwas verwelkt aber dennoch sehr charismatisch, habe ich es mit meinem geliebten Rotbraunen Ton auf Papier gebannt. Ich wollte das charakteristische der Blumen festhalten, statt mit Farben und Töne eine gefühlvolle Stimmung hervorzurufen.
- Entstehung Blumenstrauß – Zeichnung von Susanne Haun – 25 x 25 cm – Tusche auf Bütten
- Blumenstrauß – Foto von Susanne Haun
- Blumenstrauß – Zeichnung von Susanne Haun – 25 x 25 cm – Tusche auf Bütten
Akt in lila, Akt in rot – Farbempfindungen – Zeichnungen von Susanne Haun
Farben hinterlassen bei uns ein Gefühl. Je nachdem, welche Farbe wir mögen, kann uns ein Bild anziehen oder abstossen. Experimente zeigen, dass Kaffee aus einer schwarzen Thermoskanne im Geschmack stärker empfunden werden als Kaffee aus einer gelben Kanne, obwohl der Inhalt derselbe ist.
Ich habe das Model fast derselben Position zweimal gezeichnet. Einmal in violett, das lt. Itten Geheimnis, Unbewußtes, drohend oder beglückend, erschreckend, Aberglaube und in rot was kämpferisch, Kraft, Wärme, Feuer, Würde und vergeistige Liebe bedeutet.
Unter allen Farben gibt es eine, mit der wir uns am wohlsten fühlen. Ich bevorzuge rot, rotbraun und warme brauntöne. Ich muß heute noch aufpassen, dass ich auch andere Farben benutze, obwohl ich im grün eine zweite mich ansprechende Farbe gefunden habe.
In den Bildern der Künstler sehen wir ihre bevorzugten Farben. Andreas Mattern malt viel mit blau während Patrick Hanke grün bevorzugt.
- Akt in lila – Zeichnung von Susanne Haun – 23 x 15 cm, Tusche auf Bütten
- Akt in rotbraun – Zeichnung von Susanne Haun – 20 x 15 cm, Tusche auf Bütten
Die Kunst und der Betrachter – Zeichnung von Susanne Haun
Auch heute möchte ich Frau Pitzen, die Direktorin des Frauenmuseums zitieren.
„In den 70er Jahren strömte eine beachtliche Masse an Publikum durch die Galerien, voller Neugier und Lust am Aufregen und Kritisieren. Es war eine Schulung des Sehen.“
Sehen lernen ist sehr wichtig und je mehr Kunst der Betrachter schaut, desto besser kann er Kunst sehen. Kunst sehen will gelernt sein!
Sobald der Betrachter sehen gelernt hat, kann er über das „gefällt mir oder gefällt mir nicht“ urteilen. Von diesem Augenblick an sind die Kritiken und Diskussionen mit dem Betrachter die reinste Freude für den Künstler. Zur Kunst gehören neben dem Kunstschaffenden auch der Betrachter.
Das heißt nicht, dass sich ein Künstler nicht über ein „gefällt mir“ freut!!! ![]()
Gestern habe ich auf der Messe neben den Kundengesprächen ein wenig gezeichnet und in einer Ausgabe meiner heißgeliebten Weltkunst geblättert. Ich zeichne gerne unterwegs mit einem Kugelschreiber. Er ist so weich und gibt warme Linien.
- Blick vom Stand Susanne Haun in die Kunstmesse
- Text- und Skizzenbuch von Susanne Haun
Für wen zeichne ich – Antworten von Susanne Haun
Heute war der zweite Tag der 19. Kunstmesse im Frauenmuseum. Marianne Pitzen, die Direktorin des Frauenmuseums, stellt im Vorwort des Kataloges folgende Fragen:
„Für wen malt und arbeitet die Künstlerin? Für sich allein? Kann sie erwarten, dass sich andere für ihre ganz individuellen Einsichten interessieren? […] Und wie geht sie um mit den vielen Fragen unserer Zeit?“
Ich arbeite für mich, wenn meine Arbeiten dem Betrachter gefallen, dann freue ich mich. Das Gefallen ist aber NICHT die Motivation für meine Arbeit.
Ich erwarte nichts. Ich zeichne. Diese beiden Wörter sagen alles aus.
Ich nutze die neuen Medien dieser Zeit, um meine Arbeiten zu publizieren. Aber ich nutze die Möglichkeiten meiner Zeit nicht für den Schaffensprozess meiner Arbeit. Ich arbeite sehr klassisch mit Tusche auf Papier. Seit Jahrhunderten arbeiten Künstler auf diese Weise. Mich fasziniert, dass ich mit so einfachen Mitteln so reduziert die ganze Welt darstellen kann.
- Hängung Bilder Susanne Haun bei der 19. Kunstmesse
- Stand Susanne Haun bei der 19. Kunstmesse
- Susanen Haun bei der 19. Kunstmesse im Frauenmuseum
- Andreas Mattern, mein fleißiger Helfer bei der Kunstmesse
Herzlichen Dank an meinen Kollegen Andreas Mattern, der mir geholfen hat, meine Bilder zu transportieren und zu Hängen.
Sehnsucht nach der Linie – Verwelkte Rose II – Zeichnung von Susanne Haun
Schon vor Jahren habe ich folgendes Zitat von Martin Disler gefunden:
„Ich will alles falsch malen und zeichnen, die unerwartete Linie und die unerträglich erwartete Linie; so bin ich sicher, dass diese von mir sind und nicht vom großen Raster“.
Ich kann sehr gut nachvollziehen, was er meint und mich packt sogar die Sehnsucht nach der Linie.
Unter eine Linie in der Kunst verstehe ich nicht die geometrische, mathematische Linie.
Die Linie in meinen Bildern soll bewegt sein – dick und dünn, lustig sich einher schlängelnd. Sie soll Gesichter umgrenzen und nicht begrenzen. Sie soll von links nach rechts von oben und unten und von hell nach dunkel werden. Sie soll sich aneinander kuscheln mit anderen Linien im dunkel und im hellen und sich wieder voneinander entfernen.
Die welkende Rose von gestern ist verblühter als die Rose von heute.
Und doch – es sind MEINE Linien.

Verwelkte Rose II - Zeichnung von Susanne Haun
Keltische Kreuze – Studien von Susanne Haun
Kreuze zeichnen. Das hört sich ja erst einmal sehr einfach an. Ist es aber nicht.
Ich habe mir keltische Hochkreuze ausgesucht. Zuerst begann ich einfach wie immer zu zeichnen. Aber die Zeichnung entwickelte sich nicht und sah falsch aus. Das hatte ich lange nicht mehr und mein Ehrgeiz war sofort geweckt. Ich habe begonnen, Studien zu den Kreuzen anzufertigen. Am leichtesten sind sie frontal auf Augenhöhe zu erfassen. So fällt erst einmal die Drei-Dimensionalität weg. Aber der Name Hochkreuz sagt uns schon, dass wir nicht in Augenhöhe zum Kreuz stehen, sondern von unten nach oben schauen. Sofort wird es schwierig. Die beiden roten Bilder sind noch nicht fertig. Auch die Zeichnung mit Tusche noch nicht. Ich schaue von unten am Kreuz hoch. Aquarellfarben müssen trocknen bevor die nächste Schicht gesetzt wird. Die Kreuze (Aquarelle) trocknen also jetzt.
Ich mag diesen Weg, sich langsam an ein Objekt heranzutasten. Auf dem Französischen Friedhof in der Liesenstraße stehen einige keltische Kreuze. Nächstens fotografiere ich sie nicht nur einfach ohne nachzudenken. Nächstes Mal habe ich einen Skizzenblock dabei und werde perspektivische Studien machen. Ich freue mich schon. Leider wird es Herbst und es ist kühl und das Licht ist trüb.
- Zwei Hochkreuze Augenhöhe – Studie von Susanne Haun
- Rotes Hochkreuz – Studie von Susanne Haun
- Rotes begonnens Hochkreuz – Studie von Susanne Haun
- Hochkreuz Tusche – Studie von Susanne Haun
- Kreuz Französischer Friedhof Berlin – Foto von Susanne Haun
Buhnen auf Fehmarn – Zeichnung von Susanne Haun
Ich betrachte meine Zeichnungen nach der Fertigstellung oft noch lange. Erst so stelle ich fest, was ich bei der nächsten Zeichnung genauso oder anders machen möchte. So habe ich auch die beiden Küsten Zeichnungen lange angeschaut. Dann ist es mir aufgefallen: ich benutze keine Kreuzschraffuren. Ich habe mich über mich selbst gewundert. Aber es ist tatsächlich so, dass es mir wiederstrebt, die Linien übereinander zu setzten, sich kreuzen zu lassen. Dunkelheiten erzeuge ich mit parallelen engen Linien oder mit einer Lavur.
So habe ich mir heute die Aufgabe gestellt, bewußt die Kreuzschraffur zu verwenden. Und da es mir bei der Küste aufgefallen ist, mußte es natürlich auch eine Küste sein! Buhnen finde ich sehr interessant. Wir haben schon Wettrennen darauf veranstaltet. Mit der Stopuhr. Die sind vielleicht glitschig.
Ich habe wenigstens ein paar kleine Stellen „Kreuz schraffiert“.

Buhnen - Zeichnung von Susanne Haun
Morandi, oder warum ich gerne Blumen male – Zeichnung von Susanne Haun
Ich bin Morandi Fan. So habe ich es heute schon im Artcafe, einem Kunstforum, in dem ich ab und an schreibe, verkündet. Er malte in den 20er Jahren Stillleben mit immer denselben Gegenständen. Keine besonders interessanten Gegenstände. Immer wieder Flaschen, Vasen und andere Gefäße. Ich finde es erstaunlich, was er damit auszudrücken vermag.
In meinem Kunstkalender habe ich von Pavese folgendes Zitat zu Morandi gefunden:
„Der sicherste – und rascheste – Weg zum Staunen ist der: unerschrocken immer den gleichen Gegenstand fest im Auge behalten. Auf einmal erscheint uns dann dieser Gegenstand – wunderbar – so, als hätten wir ihn niemals gesehen“
Ich male auch gerne immer den gleichen Gegenstand wieder und wieder. Es ist, als ob man ihn damit erforscht und sein Geheimnis lüftet.
Ich fühle auch, Zuneigung, Vertrauen und Wertschätzung zu den Gegenständen, die ich immer wieder male.
Ich muss dann darauf achten, dass ich nicht überheblich werde. Das Vertrauen zum Gegenstand bewirkt, dass ich ihn im Bild sehr gut bewältigen kann. So geht es mir mit Augen, Nase und Mund.
Ich zeichne dann zwischendurch Landschaften und Blumen. Sofort muss ich mich wieder viel mehr konzentrieren und werde aus dem Trott herausgerissen. Genauso geht es mir dann, wenn ich mich wieder den Gesichtern zuwende.

Schreibtisch von Susanne Haun
Ich möchte groß zeichnen – Susanne Haun
Ich möchte wieder größer arbeiten. Das ist leichter gesagt als getan. Im Februar 2008 beschloss ich, mich ganz auf die Zeichnung zu konzentrieren. Ich habe diesen Entschluss nicht bereut. Ich bin in der Zeichnung mit Riesenschritten voran gegangen.
Nun hatte ich Sehnsucht, nach großen Arbeiten. In der Größe wie ich früher auf Leinwand malte.
Also holte ich mir aus dem Lager drei Leinwände 100 x 150 cm – ich hatte sie noch im Januar 2008 mit gutem Leinen bespannt und dann resolut zur Seite gestellt. In meinen Entschlüssen bin ich konsequent! Ich beschloss auf diesen Leinwänden zu zeichnen. Zwei grundierte ich und auf der dritten arbeitete ich pur auf dem Leinen.
Ich bekam eine unglaublich Wut. Es klappte nicht wie ich wollte und ich hätte die Leinwände gerne mit vollem Karacho auf den Boden geknallt. Leider waren sie zu groß dafür. ![]()
Gut, dachte ich. Dann ist mein Entschluss wirklich richtig….. keine Leinwand mehr …. Konzentration aufs Papier…..
Ich hatte schon vor langer Zeit von Fabriano eine Rolle Zeichenpapier gekauft. Sie stand die ganze Zeit unbeachtet in meiner Atelierecke. Ich schnitt 85 x 150 cm Papier ab und klebte sie auf unseren großen Tisch und begann mit meiner Feder zu zeichnen. Das klappt! Und es klappt immer noch!
Und ich freue mich total …..
Mein Kollege Andreas hat das ganze Dilemma fotografiert, so kann ich es euch heute hier zeigen:
- Susanne Haun
- Atelier von Susanne Haun
- Atelier von Susanne Haun
- Susanne Haun beim Zeichnen
- Susanne Haun beim Zeichnen
- Engel – Entstehung Zeichnung von Susanne Haun
Engel – Zeichenstudie von Susanne Haun
Gestern war ich nocheinmal auf dem Französischen Friedhof. Wieder war ich völlig von den beiden grünen Engeln, die sich gegenüber stehen begeistert. Ich habe heute begonnen, auf einem großen Stück Kupferdruckkarton Ausschnitte der Engel zu zeichnen. Mir ist seid langem wieder einmal ein kleines Blatt einfach zu klein und ich habe das Bedürfniss, groß zu malen.

Engelsstudie - Zeichnung von Susanne Haun
Außerdem habe ich heute in einem Bücherstand mit gebrauchten Büchern gewühlt. Ich mache das ausgesprochen gerne. Heute habe ich unter anderem dieses Buch gefunden:
„Malerinnen auf dem Weg ins 20. Jahrhundert“ mit Widmung (also Atmosphäre) vorne. Ich freue mich schon, dass Buch zu lesen. Wie immer habe ich Quer einige Sätze gelesen und fand besonders dieses lustig und traurig:
„Ich habe keine Kräfte mehr, das Gelebte zu prägen. Ein Genie könnte das und ein Mann.“
Es ist unglaublich, dass dieses Zitat von Käthe Kollwitz stammt. Sie versuchte, den Tod ihres Sohnes Peter umzussetzen. Sie meinte, sie sei zu weich dazu – der Schmerz würde sie nicht arbeiten lassen.
Es ist erstaunlich, wie ihre Zeit sie geprägt hat. Wenn ich mir ihre Bilder und Skulpturen anschaue so denke ich, sie muß eine so starke Frau gewesen sein. In dem Buch steht auch, dass wer auf einem fremden Terrain zu scheitern glaubt, zieht sich gern auf die traditionelle Verhaltensweise zurück.
























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