Engelsgesichter oder von der Sinnlichkeit des Papiers – Zeichnung von Susanne Haun
Bei meinem letzten Spaziergang über den Friedhof in der Liesenstraße habe ich die Gesichter der Engel betrachtet. Sie schauten mir mit steinernen Augen ins Gesicht.
Ich habe einige Zeit überlegt, auf welchem Papier ich die Gesichter banne. Ich finde, dass Papier sehr sinnlich ist. Ich fahre gerne mit der Hand über das Papier und spüre die Oberfläche. Als ich Anfang 2008 entschied, mich ganz auf die Zeichnung und auf Papier als Arbeitsmaterial zu konzentrieren, war es, als ob ich zu Hause ankomme. Die Entscheidung fühlte und fühlt sich richtig an. Ich bin oft traurig, dass Papier und Zeichnung in der Kunstwelt nicht war genommen werden. Umso mehr freute ich mich, als ich in der Weltkunst ein Interview mit Thole Rotermund gelesen habe.
Ein kurzes Zitat aus dem Artikel (Weltkunst Heft 11/2006):
„Seine Sammler teilten die Leidenschaft für das leisere Medium, das kleinere Format – und dessen bisweilen atemberaubende Wahrhaftigkeit. Papier ist kein Kompromiß.“
Hier mein Engelsgesicht auf Silberburg Büttenpapier in der Größe 15 x 20 cm.
13 Zeichnungen von Susanne Haun
In jedem Haushalt hängt mindestens ein Kalender.
Das Wort kommt aus dem lateinischen Calendarium und bedeutet übersetzt Schuldbuch. Der Kalender wurde früher als Verzeichnis der Darlehen benutzt – am Monatsanfang wurde geschaut, welche Darlehen zurück gezahlt werden müssen. Ich denke, auch heute ist der Kalender noch der Merker für Geburtstage, Termine usw.
Manchmal kann ich mich am Jahresende vor Kalender nicht retten und manchmal habe ich keinen einzigen. Wenn ich mich noch recht erinnere, habe ich letztes Jahr 5 Kalender geschenkt bekommen. Da auch sehr große Kalender dabei waren, hätte ich meine Wohnung mit den Blättern tapezieren können und trotzdem mag ich Kalender und freue mich immer auf’s umblättern. So war es leicht, mich zu überzeugen, auch dieses Jahr wieder einen Kalender zu gestalten. Er ist 30 x 20 cm groß und auf Lana Büttenpapier gedruckt und spiralgebunden und natürlich etwas ganz besonderes
.
Eine Übersicht der Kalenderblätter seht ihr hier auf meiner Homepage.
Friedhof Liesenstrasse – Wächterengel – Zeichnung von Susanne Haun
Am Wochenende war ich bei strahlendem Sonnenschein wieder auf dem Friedhof in der Liesenstraße.
Beim Anblick der vielen Engel dort, mußte ich an die Apokryphen denken. Die Apokryphen sind Bücher, die aus der Bibel ausgeschlossen wurden. Im Buch Hennoch wird die Sintflut als göttliche Reaktion auf die unentschuldbare Rebellion der sogenannten Wächterengel unter Führung von Azazel verstanden. Die Engel vereinigten sich mit den Menschenfrauen. Als Strafe dafür wurden sie aus den Himmel herausgeworfen.
Drei Fischkutter in Travemünde – Zeichnung von Susanne Haun
Am Sonntag letzter Woche war ich mit Andreas in Travemüne. Er hatte in der alten Vogtei eine Ausstellungseröffnung.
So wurde meine Sehnsucht nach der Küste endlich etwas gestillt denn der scharfe Wind und der kleine Hafen haben mir gut gefallen. Der Hafen war so herrlich belebt mit Fischernetzen, Fischkisten, Anhängern – es war ein atmosphärisches Chaos. Im Sommer ist die Küste voll mit Touristen (bin ich ja auch
) aber jetzt im November ist es dort stiller und uriger.
Ich hatte noch die drei Grazien von letzter Woche im Kopf und habe so drei Fischerkutter gemalt, die für mich so lebendig wie die drei Göttinen sind. Und auch die drei Fischernetze erinnerten mich an die Grazien. Sie schlängelten sich am Kai entlang und ich mag die Perspektive. Einem Boot Seele und Lebendigkeit zu geben ist schwer. Vielleicht mag ich die kleinen Boote auch zu sehr, weil mich auf Ihnen sofort eine unglaubliche Seekrankheit befällt.
- Drei Fischkutter in Travemünde – Zeichnung von Susanne Haun
- Fischernetze – Zeichnung von Susanne Haun – 20 x 20 cm – Tusche und Aquarell auf Bütten
- Kleines Boot – Zeichnung von Susanne Haun – 20 x 20 cm – Tusche und Aquarell auf Bütten
Fertigstellung Trauminsel II – Zeichnung von Susanne Haun
Ich habe gestern Abend beim Blättern in einer alten Weltkunst folgendes Zitat von Pablo Picasso gefunden:
„Die Unkenntnis in der Kunst führt zur Avantgarde“
Ich denke auch, dass das Loslassen vom alt her gebrachten neue Inspirationen und Ansätze bringt.
Am besten ist es natürlich, wenn du das Wissen um die Kunst und das Handwerk hast und dann loslassen kannst, um neue Wege zu beschreiten. Denn nur, wenn du dein Handwerk beherrschst, kannst du deine Ideen und deine Kreativität voll entfalten.
Ich habe meine Trauminsel II seit Anfang des Monats fertig. Mein Problem war, wie ich die Trauminsel hier auf dieser Oberfläche präsentieren kann, ohne sie in ein kleines Foto pressen zu müssen. So habe ich sie gefilmt, mit Musik unterlegt und bei youtube eingestellt.
Das Ergebnis könnt ihr nun sehen.
Daniels Großvater – Zeichnung von Susanne Haun
Das einzige, was ich von Daniels Großvater kenne, ist ein altes Foto, die Erzählungen von Daniel und seinen Rosenkranz. Ist es möglich mit diesen Informationen ein gutes Portrait zu zeichnen?
Das Foto als Vorlage gilt auch heute noch als sehr verpöhnt. Dabei hat uns z.B. Degas gezeigt, dass ein Foto unterstützend für ein gemaltes Bild durchaus ligitim ist.
Degas sammelte Fotos von Ballerinas als Vorlagen für seine Bilder. Er bevorzugte ungewöhliche Perspektiven, die seine Modelle nur auf einem Foto halten konnten. Er liebte diese Momentaufnahmen und unterschied sich in seiner Philosophie so deutlich von den Impressionisten.
In meinem Portrait von Daniels Großvater sind auch die Gesichtszüge von Daniel enthalten. Als sein direkter Nachfahre und auch als Erzähler der Geschichten seines Großvaters vermischen sich das Foto und sein Gesicht in folgendem Portrait.

Daniels Großvater - Zeichnung von Susanne Haun - 20 x 20 cm - Tusche auf Bütten
Wassertiere – Zeichnung von Susanne Haun
„Jetzt werden wir die Gestalt von Wassertieren annehmen [...]„
Dieser Satz hat mich sehr gefordert. Wassertiere? Das kann vom Einzeller bis zum Hai alles sein und so schaute ich mir auf einer Karte Irlands an, wo der Fluss Sinann (heute Shannon) und wo der Fluss Siuir ( heute Suir) fliessen. Jeweils ein Jahr hielten sich die Schweinehirten Friuch und Rucht in Gestalt von Wassertieren dort auf. Sie verschlangen sich dabei gegenseitig.
Ich habe mir den Fluss Shanonn, der in den Atlantischen Ozean mündet, ausgesucht. Vielleicht hat Friuch die Gestalt eines Hechtes angenommen und Rucht die eines Frosches? Haben sie ihre Gestalten während der zwei Jahre gewandelt? Mal war der eine Raubfisch, mal der andere?

Hecht und Frosch im Shannon - Zeichnung von Susanne Haun - 30 x 40 cm - Tusche auf Bütten
Drei Grazien – Zeichnungen von Susanne Haun
Die drei Grazien sind in der griechischen Mythologie Göttinnen der Anmut. In der Kunst sind sie oft dargestellt worden, z.B. von Raffael, meistens in inniger Umarmung.
Ich kann mir schwer vorstellen, dass drei junge Frauen gute Freundinnen sind. Ist nicht immer eine die Außenstehende? Wenn man älter wird, wird man großzügiger. Da funktioniert das besser! Vielleicht ist es in unserer heutigen Zeit der Ellbogen auch so, dass jeder erst seinen eigenen Weg finden muss, seine Position festigen muss, um dann im Team weiter gehen zu können.
Hier sind meine drei Grazien. Sie sind auf drei einzelnen Blättern im Format 30 x 15 cm gezeichnet. Das Format unterstreicht ihre Anmut. Sie stehen selbstbewußt und wissend im Leben.

Drei Grazien - Zeichnungen von Susanne Haun
Falkenmensch – Zeichnung von Susanne Haun
Heute habe ich mich wieder dem Streit der beiden Schweinehirten zugewandt.
Das Bild habe ich schon lange in meinem Kopf, indem es von Bildern nur zu wimmelt.
Heute war der Zeitpunkt gekommen, den Falkenmenschen zu malen.
„Dann sahen sie, wie die zwei Raubvögel sich in menschliche Gestalt verwandelten, und erkannten, dass es die beiden Schweinehirten waren.“

Falkenmensch - Zeichnung von Susanne Haun
Orchideeblüte – Zeichnung von Susanne Haun
Eine Zeit lang dachte ich, der Titel eines Kunstwerkes ist unwichtig und betitelte meine Bilder mit dem Tagesdatum.
Inzwischen habe ich meine Meinung geändert, denn der Titel ist sehr wichtig, um die Zeichnung besser im Gedächtnis zu behalten.
Ich empfinde es nicht schlimm, wenn ich mitunter meine Gedanken zum Bild preisgebe. Es bereitet mir sogar viel Freude, Titel zu vergeben. Ich empfinde die Worte ebenso wie das Zeichnen als Kunst.

Orchideeblüte - Zeichnung von Susanne Haun





